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BFSG 2025: Ist Ihre Website barrierefrei? Der ultimative Audit-Guide

So prüfen Sie Ihre Website auf BFSG-Konformität — kostenlos
  1. Lighthouse Accessibility Audit in Chrome (F12 → Lighthouse → nur „Accessibility" → Analyze): Zielwert über 90.
  2. WAVE Browser-Extension installieren — rote Symbole sind kritische Fehler, sofort beheben.
  3. Farbkontraste testen mit dem WebAIM Contrast Checker: normaler Text mindestens 4,5:1.
  4. Tastaturnavigation testen: Tab-Taste durch die gesamte Seite — ist jeder Link und Button erreichbar?
  5. Alt-Texte auf Vollständigkeit und Qualität prüfen — alle inhaltlichen Bilder müssen aussagekräftige Alt-Texte haben. Für eine rechtssichere Dokumentation: professioneller Vollaudit erforderlich.

Der 28. Juni 2025 ist vergangen. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz ist in Kraft — und ein erschreckend hoher Anteil deutscher Websites ist noch immer nicht konform. Bußgelder bis zu 100.000 €, Abmahnrisiko, Ausschluss von öffentlichen Ausschreibungen: Wer jetzt wartet, sammelt Risiko. Dieser Audit-Guide zeigt Ihnen, wo Ihre Website steht — und was als nächstes zu tun ist.

Was das BFSG verlangt — das Wesentliche in drei Minuten

Das BFSG ist die deutsche Umsetzung der EU-Richtlinie 2019/882 (European Accessibility Act). Es verpflichtet seit dem 28. Juni 2025 alle relevanten Unternehmen dazu, ihre digitalen Produkte und Dienstleistungen nach WCAG 2.1 AA zugänglich zu machen. BFSG-konform

Wer ist betroffen?

Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern oder über 2 Millionen Euro Jahresumsatz, die digitale Produkte oder Dienstleistungen anbieten. In der Praxis: nahezu jedes Unternehmen mit einer kommerziell genutzten Website oder einem Webshop.

WCAG 2.1 AA Anforderungen — die wichtigsten Punkte

Die vier Grundprinzipien — Wahrnehmbar, Bedienbar, Verständlich, Robust — übersetzen sich in konkrete technische Anforderungen:

  • Alt-Texte für alle inhaltlichen Bilder
  • Farbkontraste: normaler Text mindestens 4,5:1, großer Text mindestens 3:1
  • Vollständige Tastaturnavigation ohne Maus
  • Sichtbare Fokus-Indikatoren (kein outline: none ohne Ersatz)
  • Korrekte HTML-Semantik (H1–H6 Hierarchie, Landmark-Elemente)
  • ARIA-Labels für Icons und Buttons ohne Textinhalt
  • Sprach-Auszeichnung: <html lang="de">
  • Fehleridentifikation in Formularen: nicht nur Farbe, sondern Text
Wichtig: Sanktionen

Verstöße können mit Bußgeldern bis zu 100.000 € geahndet werden. Zusätzlich drohen Abmahnungen durch Wettbewerber — analog zur DSGVO-Abmahnwelle nach 2018. Unternehmen riskieren außerdem den Ausschluss von öffentlichen Ausschreibungen.

Schritt 1: Lighthouse Accessibility Audit — der schnelle Überblick

Chrome DevTools hat einen eingebauten Accessibility-Checker, den Sie sofort und kostenlos nutzen können.

  1. Website in Chrome öffnen
  2. F12 drücken — DevTools öffnen
  3. Tab „Lighthouse" wählen
  4. Alle Kategorien deaktivieren — nur „Accessibility" anhaken
  5. „Analyze page load" klicken

Ergebnis-Interpretation:

Score Bewertung Handlungsbedarf
90–100 Gut Manuelle Prüfung trotzdem nötig
70–89 Mittleres Risiko Priorisierung und Umsetzungsplan
50–69 Hohes Risiko Sofortiger Handlungsbedarf
Unter 50 Kritisch BFSG-Verstoß sehr wahrscheinlich
Wichtiger Vorbehalt

Lighthouse findet automatisch nur etwa 30–40% aller WCAG-Verstöße. Ein Score von 95 bedeutet nicht BFSG-Konformität — für eine rechtssichere Aussage ist eine manuelle Prüfung unerlässlich.

Schritt 2: WAVE Extension — visuelles Feedback direkt auf der Seite

Die kostenlose WAVE Browser-Extension von WebAIM gibt Ihnen visuelles Feedback direkt auf Ihrer Seite — ohne Wechsel in eine separate Oberfläche.

Installation: wave.webaim.org → Browser-Extension für Chrome oder Firefox herunterladen.

So lesen Sie die WAVE-Ergebnisse:

  • Rote Symbole = Kritische Fehler — sofortiger Handlungsbedarf: fehlende Alt-Texte, leere Links, fehlende Formular-Labels, sehr geringer Farbkontrast
  • Gelbe Symbole = Warnungen — prüfen und entscheiden: mögliche Kontrastprobleme, suspicious Alt-Texte, fehlende Dokumentensprache
  • Grüne Symbole = Korrekt implementiert
  • Blaue Symbole = Strukturelemente — zeigt Heading-Hierarchie, ARIA-Landmarks

Gehen Sie Ihre drei wichtigsten Seiten durch (Startseite, Kontaktseite, eine Leistungsseite) und notieren Sie alle roten Symbole. Das ist Ihre erste Prioritätenliste.

Schritt 3: Farbkontraste prüfen

Unzureichende Farbkontraste sind der häufigste WCAG-Verstoß auf deutschen Websites — und einer der am einfachsten zu behebenden.

Das Tool: WebAIM Contrast Checker (webaim.org/resources/contrastchecker)

WCAG 2.1 AA Anforderungen:

  • Normaler Text (unter 18px): mindestens 4,5:1
  • Großer Text (ab 18px normal, ab 14px fett): mindestens 3:1
  • UI-Komponenten (Buttons, Icons, Input-Felder): mindestens 3:1
Häufigstes Problem

Grauer Text (#999999) auf weißem Hintergrund — Kontrastverhältnis 2,85:1. Nicht konform. Lösung: Dunkleres Grau verwenden, z.B. #767676 auf Weiß ergibt 4,54:1 — knapp konform.

Schritt 4: Tastaturnavigation testen

Das ist der Schritt, den die meisten Website-Verantwortlichen noch nie gemacht haben — und der die relevantesten Probleme aufdeckt.

Vorbereitung: Maus oder Trackpad zur Seite legen. Nur Tastatur verwenden.

Tastatur-Shortcuts für die Navigation:

  • Tab: Nächstes interaktives Element (Link, Button, Formularfeld)
  • Shift+Tab: Vorheriges Element
  • Enter: Link folgen oder Button aktivieren
  • Space: Checkbox, Button
  • Pfeiltasten: In Radio-Gruppen, Select-Feldern, Menüs

Was Sie prüfen und notieren sollten:

  • Ist jeder Link auf der Seite per Tab erreichbar?
  • Ist jeder Button per Tab erreichbar?
  • Ist jedes Formularfeld per Tab erreichbar?
  • Ist der aktuelle Fokus visuell erkennbar? (Umrandung, Hintergrundfarbe)
  • Gibt es am Seitenanfang einen „Zum Hauptinhalt"-Link?
  • Ist die Tab-Reihenfolge logisch (links-rechts, oben-unten)?
  • Öffnet sich ein Dropdown-Menü per Tastatur?
  • Kann ein geöffnetes Dropdown-Menü per Escape geschlossen werden?
  • Gibt es Fallen — Bereiche, aus denen man per Tab nicht herauskommt?
Häufigstes Problem

outline: none in CSS ohne visuellen Ersatz. Viele Designer entfernen den Standard-Fokus-Rahmen aus ästhetischen Gründen — ohne einen gleichwertigen Ersatz zu implementieren. Das ist ein WCAG-Verstoß.

Schritt 5: Alt-Texte systematisch prüfen

Google kann Bilder nicht sehen — und Screenreader-Nutzer auch nicht. Alt-Texte sind die Brücke.

Schnellprüfung in der Browser-Konsole (F12 → Console):

JavaScript — Browser-Konsole (F12) // Bilder ohne Alt-Attribut — kritischer Fehler document.querySelectorAll('img:not([alt])').forEach(img => { console.error('Kein Alt-Attribut:', img.src); }); // Bilder mit leerem Alt — korrekt für dekorative Bilder document.querySelectorAll('img[alt=""]').forEach(img => { console.info('Dekoratives Bild (leer OK):', img.src); }); // Bilder mit suspekten Alt-Texten (zu kurz) document.querySelectorAll('img[alt]').forEach(img => { if (img.alt.length > 0 && img.alt.length < 5) { console.warn('Sehr kurzer Alt-Text:', img.alt, img.src); } });

Was gute Alt-Texte leisten:

  • Beschreiben den Inhalt des Bildes — nicht „Bild" oder „Foto"
  • Sind präzise und kontextrelevant
  • Sind für dekorative Bilder leer (alt="") — damit Screenreader sie überspringen

Die Prioritätenliste: Was zuerst beheben?

Nicht alle WCAG-Verstöße sind gleich kritisch. Diese Priorisierung hilft Ihnen, den größten Risikobereich zuerst zu adressieren.

Sofort — hohes Bußgeldrisiko
  1. Fehlende Alt-Texte auf inhaltlichen Bildern
  2. Farbkontraste unter 3:1 (kritisch niedrig)
  3. Keine Tastaturnavigation möglich
  4. Formular-Labels fehlen vollständig
  5. Leere Links ohne ARIA-Label
Diese Woche — mittleres Risiko
  1. Farbkontraste zwischen 3:1 und 4,5:1 (für normalen Text)
  2. Fehlende Sprach-Auszeichnung (<html lang="de">)
  3. Fehlerhafte H-Hierarchie (H3 nach H1, kein H2)
  4. Kein Skip-Navigation-Link
  5. Nicht sichtbare Fokus-Indikatoren
Empfohlen — langfristig
  1. Videos ohne Untertitel oder Transkript
  2. Formulare ohne hilfreiche Fehlermeldungen
  3. Screenreader-Test mit NVDA (kostenlos, Windows)
  4. Kontrastverhältnisse optimieren (über Minimum hinaus)
  5. Komplexe Tabellen mit Summary und Scope-Attributen

BFSG als SEO-Geheimwaffe

Das ist der Aspekt, über den die wenigsten Unternehmen nachdenken — und der einen doppelten Return on Investment liefert. Eine BFSG-konforme Seite rangiert in den Suchergebnissen inhärent höher. Genau die strukturelle Sauberkeit, die WCAG verlangt, wird vom Google-Algorithmus belohnt.

WCAG-Anforderung SEO-Auswirkung
Alt-Texte auf allen Bildern Bessere Bildsuche, mehr semantischer Kontext für Google
Semantisches HTML (h1–h6, nav, main) Klarere Inhaltsstruktur, besseres Crawling
Sauberer Code ohne Overhead Schnellere Ladezeit, bessere Core Web Vitals
Ausreichende Farbkontraste Bessere Lesbarkeit → längere Verweildauer → positives Nutzersignal
Vollständige Tastaturnavigation Niedrigere Absprungrate, bessere UX-Signale
Fokus-Indikatoren Kein verstecktes Verhalten, das Crawler verwirrt

Wann reicht ein Self-Audit nicht mehr?

Für die eigene Orientierung sind die beschriebenen Tools ausreichend. Für drei Szenarien brauchen Sie mehr:

  • Szenario 1: Behördliche Anfrage — Eine vollständige Dokumentation nach WCAG 2.1 AA mit manuellem Screenreader-Test und Audit-Report ist Pflicht.
  • Szenario 2: Öffentliche Ausschreibung — Öffentliche Auftraggeber verlangen zunehmend einen dokumentierten BFSG-Nachweis als Vergabevoraussetzung.
  • Szenario 3: Abmahnprävention — Um im Abmahnfall nachweisen zu können, dass Sie aktiv an der Konformität gearbeitet haben, brauchen Sie einen datierten, signierten Audit-Report.

Fazit: Warten kostet mehr als Handeln

Seit dem 28. Juni 2025 sind die Spielregeln klar. Wer wartet, sammelt Risiko. Wer jetzt handelt, reduziert das Bußgeldrisiko, verbessert die Google-Sichtbarkeit und öffnet die eigene Website für Nutzer, die bisher ausgeschlossen waren.

Beginnen Sie mit dem kostenlosen Lighthouse-Audit heute. Notieren Sie die roten Flaggen. Und wenn Sie eine professionelle Einschätzung brauchen — wir sind in einem Werktag mit einer Rückmeldung.